Das Schweinehund-Dilemma

Von Benedict

Ein Beitrag unserer Team-Psychologin Henrike Wandrer

Ein guter Trainingsplan ist die Basis einer erfolgreiche Reha, aber genauso wichtig ist die Motivation des Patienten – denn der beste Trainingsplan nutzt nichts, wenn der Patient sich nicht daran hält. Die Praxis zeigt uns, dass viele Patienten genau damit Schwierigkeiten haben. Woran liegt das und wie kann man sie unterstützen?

Ich und mein Schweinehund – ein täglich neuer Kampf (Bild: Pixabay, A. Ivanov)

Aus gesundheitspsychologischer Sicht ist die Motivation kein einmaliges Ereignis, sondern ein Prozess. Am Anfang sollte immer die Schaffung eines Problembewusstseins im Rahmen einer detaillierten medizinisch-therapeutischen Aufklärung stehen: Wieso ist es so wichtig, sich an den Trainingsplan zu halten? Welche Auswirkungen hat es auf die Genesung, wenn zu viel oder zu wenig trainiert wird? Nur wenn dem Patienten deutlich wird, dass für ihn ganz persönlich der Nutzen des Trainings die Kosten (z.B. den Zeitaufwand) übersteigt, wird er eine Handlungsabsicht entwickeln.

Als nächstes sollte ein konkreter Plan aufgestellt werden, damit es nicht bei einer diffusen Absicht bleibt. Denn wer sich vornimmt, mehrmals die Woche zu trainieren, aber nicht festlegt, wann und wo, wird sehr wahrscheinlich niemals damit anfangen (“Hallo, Schweinehund – setz dich doch zu mir, es ist Platz auf der Couch“). Deswegen sollte man Patienten dazu anhalten, genau zu überlegen, wie sie das Training am besten in ihren Alltag integrieren („Montags und mittwochs nehme ich meine Sporttasche mit zur Arbeit und fahre vom Büro direkt ins Fitnessstudio, um eine Stunde zu trainieren“). Dabei ist es wichtig, realistisch zu sein – es bringt nichts, sich zu viel vorzunehmen und dann frustriert aufzugeben.

Wenn Patienten weiterhin Schwierigkeiten haben, ihren Plan in die Tat umzusetzen, ist es ratsam, potenzielle Handlungsbarrieren zu erkennen und anzugehen: Neigt man zum Beispiel dazu, seine Sporttasche zu vergessen und deswegen das Fitnessstudio ausfallen zu lassen, legt man die Tasche am besten direkt neben die Haustür. Des Weiteren kann man Patienten dazu anregen, ihre sozialen Ressourcen zu nutzen: Vielleicht gibt es ja eine Kollegin, die mit ins Fitnessstudio kommen möchte? Solche Strategien helfen dabei, am Ball zu bleiben und das eigene Ziel nicht aus den Augen zu verlieren, sodass das regelmäßige Training immer mehr zur Gewohnheit wird und dem Therapieerfolg nichts mehr im Wege steht. Welche Chancen dabei digitale Gesundheitsanwendungen wie eCovery für die Patientenmotivation bieten, beleuchten wir dann im nächsten Beitrag zu diesem Thema. Jetzt ist es erst einmal Zeit fürs Training. Tschüss, Schweinehund – ich muss los.

Henrike Wandrer (LinkedIn) ist Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeiterin bei eCovery im Zuge einer Kooperation mit der Universität Leipzig. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Frage, welches Feedback und welche Impulse für ein dauerhaftes, motiviertes Reha-Training notwendig sind.